Den Schuss gehört

Da wurde ein bösartig durchknallender 17-jähriger erschossen, bevor er noch weiteren Mitreisenden nach dem Leben trachten konnte. Die Gewalt, die von ihm ausging, fiel auf ihn zurück. Ich wünschte, das wäre immer so und gleich zuerst.

Es reicht aber schon die Nachfrage, ob es zum Töten eine Option gegeben hätte, dass sich sogleich jeder Deutungsplatzhirsch das Karnevals-Barett auf den heißgelaufenen Schädel stülpt, „Kameraden“ röhrt und der Drecksau, die da zu fragen wagt, seine Verachtung vor die Füße kotzt.

Das SEK trat zwischen den Täter und die anderen. Ihrem Können sei Dank, dass sie so schnell da waren. Die Frage nach ihrer möglichen Alternative ist keine Verurteilung, sondern eine Frage mit den Antwortmöglichkeiten Ja oder Nein.

Besser, schlauer, rücksichtsvoller wäre es gewesen, die Antwort intern zu suchen, zu finden und sie dann verlauten zu lassen.

Nun leben wir eben in der unseligen Spanne, in der der erste Kommentar das Maximum an Kollektivaufmerksamkeit erregt, in der jede öffentliche Äußerung als Marktwertgenerator fungiert und Haltung so eingenommen wird, dass sie sich mit der Eigenwerbung deckt. Wir sinds. Dass also wer schweigt, bis er oder sie nachgedacht hat und erst dann postet, ist so unwahrscheinlich, dass ich selbst, wenn ich davon träume, von meinem ungläubigen Schnobern aufwache. Das Kind ist längst in den virtuellen Brunnen gefallen.

Was mich jetzt umtreibt, weil ich es für neu erachte:

Warum darf die Frage so gar nicht sein? Warum ist der Blick auf die Verhältnismäßigkeit so unerhört? Warum macht das manche so rasend, dass wir uns auch in der Konfrontation mit einem Mörder fragen, ob es Plan B zum Töten gibt?

Oder anders gefragt:

Was wollt Ihr selber noch tun, dass es im Nachhinein so überhaupt keine andere Wahl gegeben haben darf?

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